Untersuchungen zur Versauerung alter Dünenbereiche auf Spiekeroog
Grund der Untersuchung:
Im Rahmen eines ökologischen Praktikums, das seit 15 Jahren von Studierenden und
Lehrenden des Aufbaustudiengangs Ökologische Umwetsicherung (GhK-Witzenhausen) auf
Spiekeroog durchgeführt wird, fiel auf, dass auf auf Nordseiten alter Graudünen die
vorherrschende Krähenbeere (Empetrum nigrum) zunächst an einzelnen Trieben vergilbt. ein
bis zwei Jahre später traten diese Vergilbungsstadien fleckenweise auf. Im weiteren
Verlauf werden die Blätter braun, es gedeihen nur noch unterentwickelte einjährige
Triebe; am Ende der Entwicklung steht das Absterben der Pflanze.
Auf den Südseiten sterben die ehemals vorhandenen Bestände des Silbergrases
(Corynephorus canescens) ebenfalls ab.
Untersuchungen im Rahmen des Praktikums zeigte, dass diese älteren Dünenbereiche einer
extremen Versauerung unterliegen, die weit über das bekannte Maß hinausgehen. Die
pH-Werte liegen teilweise unter 3, Kalk ist zumindest im Oberboden nicht mehr vorhanden.
Am Ende der Gesamtentwicklung steht nicht nur das Absterben der Pflanzenbestände, sondern
bei Stürmen auch Auflösungserscheinungen ganzer Dünen.
Untersuchungsumfang:
Das Fachgebiet Landschaftsökologie und Naturschutz hat 1997 mit Vorversuchen zur
Erhaltung dieser Dünenbereiche begonnen.
Die Grundeinheit einer Versuchsfläche besteht aus einer Parzellenreihe mit
| - unbehandelter Fläche |
| 5t / ha kohlensauerer Kalk |
| 10t / ha kohlensauerer Kalk |
| 5t / ha Muschelkalk |
| 10t / ha Muschelkalk |
Diese Einheit wurde dreifach auf Nordseiten und Südseiten sowie einmal in einer
Plateaulage älterer Dünen angelegt.
Die jährlichen Untersuchungen umfassten die Entnahme von Boden- und Pflanzenproben sowie
die Aufnahme der Vegetation auf der Insel und die Analyse dieser Proben (pH, C, N, P, K,
Ca). sowie die Bestimmung der Biomasse im Labor.
Klimadaten werden in Zusammenarbeit mir der Hermann-Lietz-Schule auf Spiekeroog erfasst.
Erste Ergebnisse:
Schon bei der Folgeuntersuchung 1998 konnte nachgewiesen werden, dass sich auf
den Südseiten der Dünen zahlreiche neue Silbergraßpflanzen angesiedelt hatten.
Kohlensaurer Kalk wirkt offensichtlich schneller als Muschelkalk. Über die
Nachhaltigkeit der Maßnahme und eine schonende Wiederbesiedlung der Flächen
dürfte eine gesicherte Aussage erst nach einigen Jahren möglich sein.

Nordseite (Empetrum nigrum)
1. gesunde Krähenbeere
2. chlorotisches
Stadium
3. absterbende Krähenbeere

Südseite (Corynephorus canescens)
1. gesundes Stadium
2. absterbende Bestände
3. Winderosion